Narrative Expositionstherapie

Die Narrative Expositionstherapie (NET) ist eine wirksame Methode, um vielschichtig und mehrfach traumatisierten Menschen zu helfen, ihre Gegenwart von den schweren Folgen des Traumas zu befreien und das real erfahrene Leid, die quälenden Gefühle und Empfindungen zu entladen und die Erinnerung dort in der Vergangenheit zu verankern, wo sie zeitlich auch geschehen sind.

Das Erleben eines Traumas führt zum Verlust der Verknüpfung zwischen verschiedenen Gedächtnisfunktionen, insbesondere der Amygdala und des Hippocampus. Die Folgen sind u.a. auch plötzliche Überflutungen der Gegenwart mit Erinnerungsbruchstücken von damals, wie z.B. Bildern, Körperempfindungen und Gefühlen, gefolgt von teilweise irrationalen Verhaltensweisen, die heute ganz unangemessen erscheinen. Meist gehen in der Folge auch Depressionen, Substanzmissbrauch und Suizidalität einher.

Ziel der NET ist die Reorganisation der durch Traumata zerstörten Gedächtnisfunktionen. Es geht um die Wiederherstellung und um die Verknüpfung der Elemente des „heißen“ Traumagedächtnisses mit dem logischen „kalten“ Gedächtnis, so dass die Ereignisse in Raum und Zeit chronologisch abgespeichert in der eigenen Vergangenheit abgelegt werden können.

NET geht nach einem transparenten und wissenschaftlich hoch-evidenten Kurzzeit-Therapieplan vor und begleitet schrittweise und achtsam durch das Trauma-Geschehen. Durch die Erzählung der Lebensgeschichte ganz nah an den damaligen Sinneseindrücken, Körperempfindungen, Gefühlen und Gedanken sowie in steter Rückkopplung zur sicher erlebten Gegenwart kann so die Reorganisation der zerstörten Erinnerung gelingen und Flashbacks, Angstzustände und Vermeidungsverhalten als auch der damit einhergehende Leidensdruck signifikant reduziert werden. Die “Hot Spots“ des Trauma-Erlebens bekommen durch dieses Vorgehen wieder den biografisch richtigen Platz zugewiesen und im Gesamtkontext einen neuen Bedeutungsrahmen.

Das therapeutische Ziel der NET ist erreicht, wenn die Gefühle, Gedanken und Körpererinnerungen die zur Vergangenheit gehören, dort sicher verankert sind und klar von den Gefühlen und Empfindungen der Gegenwart (heutige Realität) unterschieden werden können und der Mensch wieder funktional am Leben teilnehmen kann.

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